Kennst du diese innere Stimme, die dich davon abhalten will, deine Ziele zu verfolgen, auch mal Wagnisse einzugehen oder etwas anders zu machen als sonst? Diese kritische Stimme, die immer dann besonders laut und schrill wird, wenn du deine Komfortzone verlassen willst?

Das „sagt“ der innere Kritiker

In solchen Situationen spielt dein innerer Kritiker solche unfreundlichen, manchmal sogar beleidigend formulierten Sätze in Dauerschleife ab:

 „Das klappt sowieso nicht.“

„Das kannst du nicht machen, weil…“

„Nicht mit deinem (Gesicht / fehlenden Talent/ etc.)“

„Warum sollte das (ausgerechnet bei dir) klappen?“

Diese Sätze könnten auch von einer toxischen Freundin oder Mutter stammen, die es angeblich immer gut meint. Obwohl es natürlich ganz anders klingt und dir auf Dauer tatsächlich schadet.

Diese Stimme hält dich nämlich immer wieder davon ab, neue Möglichkeiten zu nutzen oder mehr aus deinem Leben zu machen.

Wenn du zu oft darauf hörst, kannst du vielleicht gar nicht mehr zwischen deiner eigenen und der übermäßig kritischen Stimme in deinem Kopf unterscheiden, weil sich ihre Ansichten so tief in dir festgesetzt haben, dass du sie bereits für deine eigenen hältst.

Mögliche Folgen: Vertane Chancen und Depressionen

Dann tust du das, was „man“ so tut, orientierst dich an gesellschaftlichen Normen oder Konventionen (allerdings ohne innere Überzeugung), was für den einen oder anderen auch den Vorteil hat, dass es bequemer ist, nicht immer selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung für sich selbst übernehmen zu müssen.

Wenn du dich mit dem Thema beschäftigst, hast du sehr wahrscheinlich für dich schon erkannt, dass diese Bequemlichkeiten die damit verbundenen negativen Folgen nicht aufwiegen können (was ich absolut bestätigen kann):

Auf lange Sicht sind diese fatal und reichen von innerer Unzufriedenheit („Ich bin unglücklich und weiß nicht, was ich will“) bis hin zu völliger Antriebslosigkeit und Depressionen.

Deshalb meine Empfehlung: Lass es gar nicht erst so weit kommen und sorge dafür, dass dein innerer Kritiker nicht übermächtig wird.

Woher kommt der innere Kritiker?

Wahrscheinlich aus deiner Kindheit. Es ist die ängstliche Stimme einer oder mehrerer Personen aus deinem engeren Umkreis, die dich beschützen wollen, weil sie Angst haben, dass dir etwas Schlimmes zustoßen könnte.

Im Grunde spricht aus deinem inneren Kritiker immer noch dieselbe Angst: „Pass auf, mach das lieber nicht! Du könntest…dir weh tun / dich schlimm verletzen / sterben etc.

Wenn du dir solche und ähnliche Sätze zu oft anhören musstest – ermutigende Sätze wie „Das schaffst du schon, los probier’s mal aus!“ hingegen zu selten – werden erstere irgendwann zum Automatismus und verlieren dabei auch ihre Schutzfunktion.

Dann macht es für die Stimme keinen Unterschied mehr, wie groß die Gefahr in der jeweiligen Situation für dich tatsächlich ist (mittlerweile hast du dich ja weiterentwickelt und kannst ganz gut auf dich selbst aufpassen).

Davon scheint dein innerer Kritiker allerdings noch nichts mitbekommen zu haben: Er betrachtet dich immer noch als schutzbedürftiges Kind und die Welt als einen höchst gefährlichen und feindlichen Ort.

Du siehst: Mir dieser Einschätzung ist dein innerer Kritiker nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Umgang mit der kritischen Stimme: Coaching hilft

Im Coaching gibt es mehrere Wege, dieses Ziel zu erreichen. Wichtig dabei ist, dass du lernst, was du tun kannst, damit zu dich nicht zu sehr mit dieser Stimme identifizierst.

Wenn du Humor hast, wird dir diese Eigenschaft weiterhelfen, denn dann fällt es dir leicht, die „Dinge“ aus einem anderem, ungewohnten Blickwinkel zu betrachten und vielleicht auch zu hinterfragen. Humor schafft bekanntlich auch emotionale Distanz (auch zum inneren Kritiker) und so verwundert es nicht, dass es mittlerweile ein Übungsbuch mit dem Titel „Den inneren Kritiker zum Lachen bringen!“ gibt.

Distanz und Perspektivwechsel sind also wichtige erste Schritte für dein Vorgehen. Doch diese alleine reichen noch nicht aus, denn damit hast du dem Schwarzmaler in deinem Kopf noch nichts entgegengesetzt.

Deshalb teile ich zum Abschluss noch eine Schritt-für-Schritt Anleitung aus meinem Coaching mit dir. Sie bietet dir die Möglichkeit eines Perspektivwechsels und dir hilft dabei, eine positive Stimme als „Gegenspieler“ des inneren Kritikers zu etablieren.

Wenn du es schaffst, diese Übung in deinen Alltag zu integrieren und als Routine zu etablieren, lernst du mit der Zeit eine entspannte Beziehung zum inneren Kritiker zu entwickeln.

Übung zum Bändigen des inneren Kritikers

Nimm dir am besten einen Stift und ein Papier und ca. 30-45 Minuten Zeit. Mach es dir bequem und atme erst einmal in Ruhe tief durch.


Dann kann es losgehen:

1. Akzeptiere die Stimme. Lausche ihr. Versuche nicht, sie zu ignorieren.
Frage die Stimme, was genau sie dir zu sagen hat. Mache dir Notizen, damit du später darauf eingehen kannst. Höre genau hin, lass der Stimme in dir ihren Raum. Begib dich dabei in die Haltung eines klugen und aufmerksamen Moderators, der allen Rednern angemessen und mit Respekt und Wertschätzung begegnet. Schon dadurch wirst du deinem Kritiker ein Stück weit den Wind aus den Segeln nehmen.

2. Mach dich mit der Stimme vertraut und wertschätze sie.
Bedanke dich bei der Stimme, dafür dass sie all die Jahre schon für dich da ist. Sag ihr, dass du weißt, dass sie nur dein Bestes will. Bedanke dich auch dafür. Wenn du möchtest, kannst du ihr auch einen neuen Namen geben (etwa „Beschützer“ statt „Saboteur“).

3. Worum geht es wirklich? Lass sie entspannt zu Wort kommen.
Und jetzt frage „deinen Beschützer“ noch einmal, was genau er sich wirklich für dich wünscht. Wenn wir davon ausgehen, dass der Ursprung der Stimme eine positive Absicht ist und unser innerer Kritiker seine Aufgabe darin sieht, dich vor (weiteren) Kränkungen, Enttäuschungen oder Misserfolgen etc. zu schützen, dann ist das etwas Gutes. Nimm diese Botschaft mit.

4. Jetzt gib dem Teil in dir Raum, der etwas Neues ausprobieren möchte. Lass auch ihn zu Wort kommen.
Nun lass deinen „Abenteurer“, deinen „Sportler“, deinem „Träumer“, deinem „Unternehmer“ zu Wort kommen. Lass auch diesen Teil offen und direkt sprechen. Er darf genauso unzensiert seine Wünsche und Bedürfnisse äußern.

Sei ein guter Moderator und sorge dafür, dass er genauso selbstbewusst und präsent ist, wie der Kritiker. Bedanke dich auch bei ihm für seine gute Absicht.

5. Jetzt lass die Stimmen miteinander in den Dialog treten und sich aussöhnen.
Nachdem du beide Stimmen gehört hast, lässt du sie als gleichberechtigte und wertschätzende Gesprächspartner miteinander in den Dialog treten. Beide Stimmen zeigen Respekt voreinander und wertschätzen sich.

Du wirst sehen: In dieser wohlwollenden Atmosphäre wird es der innere Kritiker schwer haben, sich wie gewohnt „aufzublähen“ und das Gespräch zu dominieren.

Stattdessen bekommt er die Chance, endlich zu seiner ursprünglichen Funktion zurückzukehren und als ein mit der anderen Stimme gleichberechtigter Begleiter dich (bei Bedarf) vor Gefahren zu beschützen.

Patricia Schulte
Coaching - Beratung - Training

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